Johannes Bruder

Als einer der wenigen Soziologen im Haus suche ich wohl schon aufgrund meines abweichenden "Denkstils" einen etwas anderen Zugang zum Bild. Das Bild bewegt mich entsprechend nicht als "Ding an sich", sondern in seinem speziellen (sozialen) Kontext. Es geht mir also vorwiegend um Bilder als diskursive Gegenstände, sowohl in ihrer materiellen Form, als auch in einem eher semiotischen Sinne als Signifikanten, die Dispositive repräsentieren. Meine Magisterarbeit an der Universität Freiburg ("Fundamentalismus der Freiheit oder Rassismus der Anti-Rassisten") behandelte den Kampf um ein adäquates "Bild" der europäischen Idee denn auch in seiner rein sprachlichen Form - wenngleich es sich auch materiell-visualisiert in Gustave Moreaus "Herakles und die Lernäische Hydra" von 1876 anschauen lässt. Mit meinem Engagement bei eikones möchte ich nun endgültig zum imago fortschreiten und soziologisch untersuchen, welche Bedeutung Bilder für das "gesellschaftliche Imaginäre" (Castoriadis) haben. Der Zugang, der mir zu diesem Zweck am nächsten liegt, ist die Betrachtung von Bildern, die Wissen generieren und Träume wahr werden lassen. "Sichtbarkeit […] ist eng mit der praktischen Einheit von Wissen und Institutionen verbunden. Sie ist stets ‚produziert’, nie umstandslos gegeben" (Tom Holert). Ein Schwanken zwischen Bild und Modell, Abbildung und Simulation, Vermittlung und Täuschung - der jeweilige Charakter erschließt sich erst im Zugriff auf das konkrete Artefakt aktueller Sichtbarkeit, das als Stellvertreter epistemologischer Ausschlüsse fungiert.

Johannes Bruder
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