Natalie Moser

So unterschiedlich die Zugangsweisen zur Thematik ‚Bild' sind, so auch die Interessen, die einen die Konfrontation mit dem Bild suchen lassen. Für mich war es die Beobachtung, wie vielfältig Bild und Text interagieren können, die mich im Rahmen einer literaturwissenschaftlichen Herangehensweise nach dem Verhältnis der beiden fragen liess. Das Bild soll einerseits als das genuin Andere der Sprache und andererseits als ein konstitutives Moment poetischer Texte verstanden werden. Dieser doppelte Status - im zweiten Fall kann von der Bildlichkeit poetischer Texte gesprochen werden - ermöglicht eine Textanalyse, die sich in der Form einer Bildkritik ihrer eigenen Textualität bewusst werden kann. Die Bildlichkeit der Sprache zeigt sich dabei als Wesensmerkmal poetischer Texte, nicht mehr nur als zusätzliche Qualität der Sprache. Das Bild ermöglicht den Zugang zu einer Dimension des Textes, die der Textualität als solcher zugrunde liegt und sich zugleich auf jeder Ebene des einzelnen Textes ‚zeigt'. In der Konfrontation der Sprache mit dem Bild und der daraus resultierenden Bildlichkeit poetischer Texte, die als interne Organisationsform der Texte kenntlich wird, lässt sich analysieren, wie die Texte ihre Semiose organisieren. Dieser Mehrwert, der sich in der Möglichkeit einer Selbstreflexion des poetischen Textes manifestiert, verweist auf die Unverzichtbarkeit des Bildes in der Analyse poetischer Texte. Dabei wird ein Bildbegriff angedacht, dessen Anwendung in den Bereich der Unsichtbarkeit fällt.
Studium der Philosophie und Deutschen Philologie an der Universität Basel und an der Ludwig-Maximilians-Universität München, Lizentiatsarbeit in Philosophie zum Thema 'Naturzweck' bei Kant, verglichen mit dem Begriff des Lebewesens in zeitgenössischen Biologietheorien.


Publikationen


Moser N.

Gegen das Bild 'anerzählen'.

In: Rheinsprung 11
Laner I., Schweinfurth S. (Hg.)
eikones, Basel, 2011, 57 - 70

Moser N.

Raabes narrativ inszenierter Bilddiskurs als (gesellschafts-)kritischer Aufbruch Richtung Moderne?

In: Textpraxis 1 (1.2010)
Textpraxis, 2010